Bankhaus Rott

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Holt es Euch doch!

Fragen über FragenPosted by Vorstand Tue, December 29, 2009 23:23:52
Während sich die Counterparts im Abendland dem Treiben der Investmentbanken abgesehen von mehr oder weniger lauten Klagegesängen bisher ohne erkennbare Gegenwehr hingeben, greift das ein oder andere Opfer andernorts jetzt zu anderen Mitteln.

Das chinesische Energieunternehmen Shenzhen Nanshan Power weigert, sich eine Zahlung an Goldman Sachs zu leisten. Die Firma hatte Verluste aus Transaktionen mit Derivaten auf Ölkontrakte erlitten und wirft der amerikanischen Investmentbank nun vor, sie in „hochkomplexe“ und „schwer verständliche“ Produkte und somit in nicht händelbare Positionen getrieben zu haben.

Dieser Vorwurf wird den Investmentbanken von vielen Kunden – wir vermeiden hier den Begriff des Geschäftspartners – gemacht. Allerdings geht Nanshan Power nun einen Schritt weiter. Die Führung des Unternehmens verweigert schlicht die Zahlung von rund $80 Mio. an die GS Tradingeinheit J. Aron & Company.

"We will try our best to negotiate with J. Aron and resolve the dispute peacefully, but the possibility of using a lawsuit can not be ruled out when talks fail."

Die genannte Summe mag angesichts der gigantischen Welle toxischer Assets, die hauptsächlich von amerikanischen und europäischen Investmenthäusern über den Globus gespült wurden, gering erscheinen. Das Zeichen aber, das von einer solchen Zahlungsverweigerung ausgeht, ist nicht zu unterschätzen. Bisher galt, das zeigen unter anderem die Beispiele KfW und HSH Nordbank, die bekannte Reihenfolge: Zuerst zahlen, dann jammern und sich dann still in sein Schicksal ergeben. Kein sonderlich erfolgversprechendes Handeln. So hörte man über die HSH, sie habe, ohne sicher zu sein überhaupt zahlungspflichtig zu sein, einen Betrag an eine Investmentbank ausgezahlt, um nicht den Eindruck zu erwecken, man sei zahlungsunfähig. Auf Grund der impliziten Haftung des Steuerzahlers wollte man sich hier wohl größeren Aufwand ersparen.

Die Chinesen zahlen nun erst einmal gar nichts, wollen verhandeln und drohen ganz unverhohlen mit einem Rechtsstreit. Die Einstellung, erst zu verhandeln und zunächst einmal die Dollars zu behalten, stärkt jedenfalls die Verhandlungsposition. So kann man zumindest sicher sein, dass die Gegenseite den Telefonhörer findet, wenn man einmal anruft.

Ein Verfahren dürfte für Goldman nicht sonderlich attraktiv sein, daher sollte eher von einer im Hinterzimmer ausgehandelten Einigung ausgegangen werden. Angesichts der geschätzten Verluste chinesischer Unternehmen alleine im Bereich Energiederivate von etwa $1,6 Mrd. sollte sich die gute Laune der Banken in engen Grenzen halten. Zum einen kann die Schaffung eines öffentlich zur Kenntnis genommenen Präzedenzfalles nicht im Interesse der Finanzinstitute sein. Zum anderen hängt ein um Dimensionen größeres Damoklesschwert weiterhin in der Luft.

Diese bedeutsamere Diskussion dreht sich um das Verhalten der Banken beim Verkauf von gewaltigen Paketen an strukturierten Papieren an ihre Kunden. Nicht sonderlich erstaunlich war es, als sich die Vermutung breit machte, die Banken hätten, während sie diese Transaktionen abschlossen, offenbar oft gleichzeitig in den eigenen Büchern die Gegenpositionen eingenommen.

Nimmt man einmal mal den US Hypothekenmarkt als Beispiel, so hieße dies, eine Bank verkauft beispielsweise CRE CDOs (strukturierte Produkte, die auf Gewerbeimmobilienkrediten basieren) an ihre Kunden. Diese Produkte leiden, wenn diese Kredite ausfallen. Natürlich hat man in den Werbebroschüren (oder beeindruckender „Investor Presentations“) den Ausfall solcher Produkte nicht ausgeschlossen, der Disclaimer lässt grüßen, hat aber sicher auch nicht damit geworben, dass diese Papiere rasch an Wert verlieren. Gleichzeitig mit dem Verkauf an den Kunden wird in den Büchern der verkaufenden Bank eine Position initiiert, die von einem Wertverlust der gleichen Hypothekenpapiere profitiert. Ein gewisser Interessenkonflikt ist hier selbst ohne Lupe recht gut zu erkennen. So sehen das scheinbar zunehmend auch die Betroffenen.

Ein Pensionsfonds hat nun folgerichtig am 24. Dezember am Manhattan Federal Court gegen Morgan Stanley wegen des Verkaufs des mit subprime Papieren reich gesegneten "Libertas CDO" Klage eingereicht. Unter anderem befanden sich in diesem CDO viele Papiere des mittlerweile kollabierten Subprime Lenders New Century Financial. Morgan Stanley wird in der Anklage vorgeworfen, die Bank hätte mit der Rating Agentur S&P kooperiert um ein AAA Rating für die Transaktion zu erzielen.



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The complaint alleged Morgan Stanley knew the CDO's assets were far riskier than the ratings suggested, but was "highly motivated to defraud investors" with pristine ratings because it was simultaneously "shorting" almost all the assets. This was a bet that their value would fall, which they did in 2008.

"Morgan Stanley was betting the entire investment it was promoting would fail," according to the complaint, which was made available on Tuesday. "The firm achieved its objective."

Reuters.com
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Das ist eine klare Aussage. Hält man sich die Größenordnung allein der weltweit gehandelten CDOs vor Augen, so hat das Vorgehen des Pensionsfonds einen gewissen Charme. Eine gerichtliche Untersuchung der genauen Vorgänge bei jeder einzelnen Transaktion, die auch unter die Lupe nimmt, wer wann welches Produkt gekauft hat, wer die entsprechenden Unterlagen unterschrieben hat und auf Basis welcher Informationen dies geschah, könnte durchaus zahlreiche interessante Details aus dem Sumpf ans Licht befördern.

Besonders gut gefällt uns der auf die Disclaimer abzielende Vergleich mit einem bekannten gesunkenen Schiff.



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The Dec. 24 complaint said Morgan Stanley knew securities in the Libertas CDO were suffering a dramatic rise in delinquencies, but provided a misleading "risk factor" in a prospectus that rising delinquencies "may" hurt values in the $1 trillion residential mortgage-backed securities market. It called this representation "analogous to Captain Smith's telling passengers of the Titanic that some ships have 'recently sunk' in the Atlantic and therefore 'our ship may sink,' without mentioning the facts that his ship struck an iceberg, had a hole in it, and was filling with water."
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Was die Banken, die nicht selbst zu den Verkäufern solcher Papiere gehörten, im deutschsprachigen Raum angeht, so kann nur zu einem ähnlichen Verhalten geraten werden. Deutlicher gesagt denken wir, die Institute, die derartige Produkte in ihren Büchern haben, sind es dem Steuerzahler schuldig um jeden einzelnen Pfennig zu kämpfen. Den Staatshaushalten einiger Bundesländer kann man dies jedenfalls nur wünschen.

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