Bankhaus Rott

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Das Ungeheuer von Loch Bless.

Fragen über FragenPosted by Vorstand Wed, December 02, 2009 20:38:32
Unsere Staatsbetriebe teilen sich in drei Lager. Die einen sind in Staatsbesitz sind und bleiben auch dort, allem Privatisierungsstreben zum Trotz. Bei anderen laufen die Versuche einer Privatisierung mehr oder weniger erfolgreich. In die interessanteste Kategorie gehören aber zweifellos die ehemals privaten Firmen, die sich in die warme Staatsschote zurückziehen. Zu dieser erlesenen Spezies gehört bekanntermaßen die Commerzbank.



Die Bank, die sich mit der Integration der maroden Dresdner Bank herumschlägt, ist im Rahmen dieses Prozesses bisher scheinbar über die Einführung eines bahnbrechenden neuen Logos nicht wesentlich hinausgekommen. So gab man in Frankfurt in der vergangenen Woche bekannt, man habe sich bei der Planung der Kosten für die Integration ein wenig verkalkuliert, genauer gesagt um ca. 25%. Nun rechnet man mit Belastungen von €2,5 Mrd. um die beiden Institute unter einen Hut zu bringen. Damit die Nachricht nicht so schlimm klingt, gab man zu, sich auch bei den positiven Synergieeffekten durch den Zusammenschluss geirrt zu haben. So sollen diese nun nicht bei €1,9 Mrd. sondern bei €2,4 Mrd. liegen. Aha, die geschätzten Integrationskosten steigen um €500 Mio., die Synergieeffekte ebenfalls. Dann ist ja alles in bester Ordnung. Wobei der geneigte Leser sich anhand dieser Zahlen schon einmal fragen darf, warum man einen Konzern integriert, dafür €2,5 Mrd. an Kosten in Kauf nimmt und mit €2,4 Mrd. an Synergien rechnet. Besonders rührend ist aber, wie man mit der gut gemeinten Hochsetzung der positiven Effekte zugibt, weder auf der Kostenseite noch bei der Ermittlung der positiven Auswirkungen in der Lage war, halbwegs korrekt zu projizieren.

Angesichts der Zahlen, die von der Commerzbank in den letzen Jahren so vorgelegt wurden, bringt man das Institut generell nicht mit sonderlich ausgeprägten Rechen- und Planungsfähigkeiten in Verbindung. Stolz wies Konzernchef Blessing nun darauf hin, die über die €1,9 Mrd. hinausgehenden Belastungen fielen zumindest nicht mehr in diesem Jahr an. Das ist schön, genügen den Anteilseignern sicher die allein in den ersten drei Quartalen erwirtschafteten Verluste von €2,7 Mrd. Mit den nun im kommenden Jahr wohl anfallenden negativen Zahlen kommt der Anleger auf diese Weise nicht in die Verlegenheit, plötzlich von guten Werten überrascht zu werden. Für langfristig mit dem Unternehmen verbundene Investoren kämen positive Ergebnisse fast einem Schock gleich, diese Vermutung legt zumindest der historische Kursverlauf der Aktie nahe.


Für das Jahr 2011 wünscht man sich in Frankfurt am Main wieder Gewinne, spätestens in 2012 möchte man dann „Staatshilfen“ zurückzahlen. Staatshilfen, so nennt man das heute, wenn der Bund sich direkt am Eigenkapital einer Firma beteiligt. Bei der Commerzbank liegt der Anteil des Bundes bei immerhin 25% und einer Aktie, für das Paket legte man damals €10 Mrd. auf den Tisch. Zu diesem Stapel legte man noch zusätzliches Kapital in Höhe von €8,2 Mrd. (hierzu seinerzeit unser Beitrag aus dem Januar).

Ab 2012 möchte man also beginnen, die Staatshilfen zurückzuzahlen, zielt also auf deutliche Gewinne ab. Zweifel an diesem wohlfeilen Ziel sollten aus verschiedenen Gründen erlaubt sein. Zunächst ist die Fähigkeit der Bank, ein nachhaltiges Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen, anhand der Vergangenheit nicht zu erkennen. Die Bank ist in der aktuellen Krise nicht ohne Grund in die nur durch Staatsgelder zu verschiebende Pleitegefahr geschlittert. Die Übernahme der Dresdner ist eine Katastrophe, vielleicht musste man sich aber auch entscheiden ob man den Vorbesitzer Allianz oder die Commerzbank opfert. Angesichts der Symbolträchtigkeit des Versicherungskonzerns, der ja unlängst das Siegel "systemrelevant" erhielt, fiel die Wahl dann sicher nicht schwer.

Kürzlich waren Klagen zu vernehmen, die Entscheidung aus Brüssel, man müsse sich von der angeschlagenen Eurohypo trennen, würde für zusätzliche Belastungen sorgen. Das ist ein interessanter Punkt, liegt doch der Fehler sicher nicht im Verkauf der Eurohypo (an wen und zu welchem Preis auch immer), sondern im Kauf des Institutes, der im November 2005 besiegelt wurde. Im Jahre 2002 war die Eurohypo aus der Zusammenlegung der Hypothekenbanktöchter der Deutschen Bank und Dresdner Bank sowie der Commerzbank entstanden. Durch die Übernahme der Eurohypo stieg die Commerzbank dann in den laut eigenen Aussagen „Branchenprimus im europäischen Verbriefungsgeschäft sowie im Bereich Syndicated Loans“ ein. Klar, muss man haben. Hätten Sie statt „Verbriefung“ noch das englische „Securitization“ benutzt, wäre sicher noch eine Milliarde mehr drin gewesen.

Noch im Jahr 2007, als die Probleme nicht nur für Insider mehr als offensichtlich waren, rühmte sich selbiger Großverbriefer mit der Aussage „die Eurohypo steigerte im 1. Halbjahr 2007 ihr Neugeschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung um fast 30 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite befindet sich auf Zielkurs von 15 Prozent.(...) Das innovative Geschäftsmodell liefert die erwünschten Resultate.“

Mit dieser Aussage dürfte man ganz ordentlich das Top am Gewerbeimmobilenmarkt markiert haben. Zum „innovativen“ Geschäftsmodell passt derzeit eher die Bezeichnung „destruktiv“. Es wäre sehr interessant zu wissen, was allein die gefeierten €22,5 Mrd. Neugeschäft aus dem genannten Zeitraum denn bis heute so eingefahren haben.

Der Blick auf die Verschuldungsstruktur der Commerzbank soll diese nun ins Verhältnis zu den aktuell insgesamt €18,2 Mrd. an Staatsgeldern setzen.



Ach, €590 Mrd., das ist ja nur etwa ein Viertel des deutschen BIP. Zur Einordnung, diese Summe ist deutlich größer als das Bruttoinlandsprodukt von bekannten und beliebten Ländern wie der Schweiz, Norwegen, Schweden oder auch Saudi Arabien. Das BIP der Vereinigten Arabischen Emirate, hier mal aus aktuellem Anlass genannt, ist nicht einmal halb so groß.

Die Aktiva des Instituts insgesamt liegen laut Bloomberg bei €892 Mrd., das Eigenkapital bei nicht ganz so satten €28,5 Mrd. Kein Wunder, dass man auf jeden Vorschlag zur Änderung der Regeln zur Risikogewichtung von Assets äußerst sensibel reagiert. Die Eigenkapitalrendite lag zuletzt bei minus 16,55%, ordentlich, bis auf das Vorzeichen. Alles in allem sehen diese Werte nicht nach Kennzahlen aus, die in Bälde signifikante Zahlungen an den Staat erwarten lassen, es ist eher wahrscheinlich, dass neue Zahlungsströme vom Bund an die Bank fließen müssen.

Als kleines Schmankerl hier noch ein kurzer Auszug aus dem letzten Zwischenbericht der Commerzbank.



Nach den Erfahrungen der Vergangenheit wäre es in der Tat erstaunlich, wenn die Commerzbank diesmal mit ihren Einschätzungen und Projektionen richtig läge. Dagegen spricht zum einen das nicht nur Sportlern gut bekannte Gesetz der Serie, und zum anderen, etwas fundamentaler, die Gesamtsituation der Bank. Keine wirkliche Ertragskraft, eine deutliche Unterkapitalisierung und eine ökonomische Entwicklung, die es zu einer sehr schwierigen Aufgabe machen dürfte, Investoren zu finden, die freiwillig privates Kapital bereitstellen, mit dem zumindest der Eigenkapitalanteil des Bundes reduziert werden könnte.

Augenblicklich sieht es auch im Hinblick auf die Situation der Realwirtschaft, die das Kreditbuch der Bank noch lange unter Druck setzten wird, eher nach einer Erhöhung des staatlichen Eigenkapitalanteils aus. Wie wäre es mit einem ersten Schritt in Richtung 50% plus eine Aktie? Oder doch lieber 50% minus eine Aktie, damit es zumindest noch ein bisschen marktwirtschaftlich ausschaut und die Dienststellenleiter sich nicht mit dem Bundesangestelltentarif begnügen müssen? Das wäre sicher ganz schlimm, würde das Haus ja dann die am besten qualifizierten Entscheidungsträger verlieren. Nicht auszudenken, wenn gerade diejenigen Menschen gingen, die das Bankhaus so sicher durch die letzten Jahre gesteuert haben. Nicht dass man am Ende noch ein paar profitable Übernahmen verpasst.


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