Bankhaus Rott

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Arabische Nächte.

Fragen über FragenPosted by Vorstand Mon, October 26, 2009 22:18:19
Das Emirat Dubai, eines der Vereinigten Arabischen Emirate, ist im Westen vor allem für seine Hochhäuser und - wegen der Zwischenlandungen - für seinen Flughafen bekannt. 818 Meter misst das Burj Dubai, der Turm von Dubai mit seinen 189 Etagen. Dort wo keine Häuser stehen, sind die Emirate größtenteils von Sand bedeckt, was auf der arabischen Halbinsel allerdings kein Alleinstellungsmerkmal ist.

Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Arabischen Emirate liegt bei etwa 180 Mrd. Euro. Der von der Ausdehnung her größte Darsteller auf der arabischen Halbinsel, das Land Saudi Arabien, bringt es hier auf etwa 335 Mrd. Euro (beide Werte Ende 2008).



Bis heute verbinden viele westliche Investoren die „Scheichtümer“ mit Reichtümern, und oft wird der Einfachheit halber davon ausgegangen, dass es ja keinen Geldmangel geben kann. Öl sprudelt förmlich aus dem Boden und niemand kann das Geld so schnell ausgeben wie es aus dem Boden quillt. Einen Teil steckt man halt in Immobilien, und so wächst der Wohlstand mit den Häusern in den Himmel.

Ohne hier im Detail darauf eingehen zu wollen, wer in dieser Region wie viel Öl hat, und wie groß der auf Petrodollars basierende nachhaltige Reichtum ist, möchten wir bescheiden darauf hinweisen, dass das Konzept der Finanzierung auch in diesem Winkel der Erde durchaus geläufig ist. Der Kredithebel wird bei Finanztransaktionen und Investitionen gar – oh Schreck! - rege eingesetzt. Der Vorteil eines Hebels ist jedem bekannt: Läufts gut, dann läufts richtig gut; läufts schlecht, dann ist Eigenkapital schneller weg als man gucken kann. Was sich in theoretischen Schreiben gerne hinter dem Terminus „Optimierung der Eigenkapitalrendite durch den gezielten Einsatz von Fremdkapital“ verbirgt, hat mit den Kindergartengeschichten aus BWL Büchern oft wenig zu tun. Wie bei jeder großen Transaktion, seien es Immobilienprojekte, große strukturierte Finanzprodukte oder auch kreditfinanzierte Firmenübernahmen, findet hier ein Geschacher statt, dass jeden ehrbaren Basarbesitzer erbleichen ließe.


Die Vorteile einer ordnungsgemäßen Finanzierung haben sich wie gesagt auch am persischen Golf schnell gezeigt. Allerdings war die Antwort auf die erzielten Renditen das neu ausgegebene Ziel einer noch höheren Rendite. Höher, schneller, weiter, Wirtschaft auf Epo. Mehr bauen, mehr Hebel.

Nebenbei wurden auch Kleininvestoren mit den Hochglanzbroschüren überschwemmt, in denen man die glänzenden Fassaden des Baubooms beim Sonnenbad beobachten konnte, so dass sich das untrügliche Gefühl einstellen sollte, bei soviel Erfolg müsse man doch einfach dabei sein. Wenn schon Andre Agassi auf einem Hochhaus ein paar gelbe Filzkugeln über den Tennisplatz auf dem Dach prügelt, dann müssen doch ein paar Groschen zu holen sein. Das olympische Tennisturnier auf den Türmen von Dubai (bei Windstille) war förmlich so deutlich mit den Händen zu greifen wie das verschwitzte Racket des Tennismeisters.
Einige Ziele wurden knapp verfehlt, die Renditeziele eher deutlich. Klassisches 0:6, 0:6. Nach dem Einbruch der Immobilienpreise um 30%-50% gerieten die meisten Finanzierungen ins Schwimmen. Nebenbei hat es die Finanzen zahlreicher Mieter derart zerlegt, dass die Behausungen schlicht zu teuer wurden. Da stehen sie dann, die Häuser. Im Antlitz spiegeln sich die Grafiken der ausufernden Leerstandsquoten und sinkender Preise. Zu allem Übel waren und sind die Kreditnehmer umgeben von den Banken des globalen Dorfes, die sich kollektiv zu Grunde gerichtet haben und sich statt der Kreditvergabe dem Subventionsempfang widmen.

Aber wo, fragt man sich, wo ist denn eigentlich die ganze Kohle? Einmal die Ölpumpen an und weiter geht’s. Tja, in Dubai gibt’s natürlich Öl, aber man bemüht sich derzeit um einen sparsameren Umgang. So geben offizielle Stellen für Dubai folgendes an:

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Dubai’s oil reserves have reduced over the past decade and are now expected to be exhausted within 20 years.
(und zum Gas)
Dubai has a 2 per cent share of the UAE's gas reserves.
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Ach, 20 Jahre, geht ja noch. Und 2% der Gasreserven der Emirate hält Dubai, das sind allerdings nur etwa 0,001% der Weltgasreserven. Reicht zum Teekochen, viel mehr wohl nicht. Auch an den gesamten weltweiten Gasreserven ist der Anteil der VA Emirate insgesamt nicht wirklich bedeutsam. Trotz aller Reserven und Petrodollars, die an diesem Teil der Erde noch aus derselben kommen werden, eines lehren die Bankbilanzen weltweit. Die Löcher, die sich durch eine kranke Finanzierung einer massiven Anzahl an Megabauten ergeben können, sollte man nicht unterschätzen. Und die Folgen betreffen mittlerweile die Unternehmen und den Staat.

Eine Mischung aus beidem stellt die staatliche Investmentgesellschaft „Dubai World“ dar. Die kriegt derzeit ein 6-Gänge Menu der explosiven Mischung ökonomischer Missstände zu schmecken. Die Firma hat ihre Finger in allen Branchen, die zur Zeit akute Probleme haben: Hafenanlagen, Projektentwicklung, Beteiligungsgesellschaften. Allein die Beteiligungsgesellschaft Nakheel (allseits bekannt durch die zwar palmenförmige aber anscheinend unrentable künstliche Inselgruppe an der Küste) muss bis Ende des Jahres für die Tilgung von Krediten etwa 3,5 Mrd. US Dollar auftreiben. Es stellt sich die Frage, wer denn einem Bauentwickler im Angesichts der desolaten Lage des Sektors dieses Geld geben soll, um womöglich Projekte am Leben zu halten, die niemals rentabel werden. Privates Geld ist sicher schon auf der Flucht. Bleibt also der Staat.

Mit einer Geldspritze von 10 Mrd. US Dollar half bereits Anfang des Jahres Abu Dhabi der Gesellschaft. Nun soll es einen weiteren öffentlichen Hilfsfonds geben, ebenfalls ausgestattet mit einer Summe von 10 Mrd. US Dollar. Dieser soll angeschlagene staatsnahe Unternehmen am Leben halten.

Dubai World hat übrigens sein Scherflein zum neuen Kurs bereits beigetragen und etwa 15% seiner Mitarbeiter entlassen. Ob das reichen wird ist fraglich. Insgesamt bleiben aber außer Sparen und noch mehr Geld leihen nicht viele Optionen. Verkaufen wäre eine, aber die Preise, die sich wirklich erzielen ließen, möchten sich Nakheel und sein Mutterkonzern sicherlich nicht einmal vorstellen. Das Emirat selber hat mittlerweile schon eine stattliche Summe eigener Schulden aufgetürmt, runde 75 Mrd. US Dollar. Auch dem gesamten Land, den Vereinigten Arabischen Emiraten fliegen die gebratenen Hähnchen nicht mehr in den Mund. Die Auslandsschulden liegen mittlerweile bei gut 42% des BIP. Keine japanischen Verhältnisse, aber allerhand. 2004 lag der Wert noch bei 17%.
Und was macht der große Nachbar, Saudi Arabien? Auch hier vermehrten sich in den vergangenen Jahren hauptsächlich Auslandsschulden. Die Steigerungsraten sind enorm, allein in den letzten beiden Jahren legten diese Schulden jeweils um ein Viertel zu. Seit 2003 hat sich die Last in etwa verdreifacht.

Da bleibt uns auf der Suche nach Ideen nur der Blick auf die neue deutsche Koalition des Wandels. Ein Schattenhaushalt muss her. In diesen bucht man dann alle Schulden ein, die in schlechten Zeiten angefallen sind. Und die Gebäude mieten, wenn man einmal nett nachhakt, sicher ein paar Immobilienfondsmanager, die aus den Leerständen eine Tugend machen und mit der Miete einer Wohnkammer mit Wüstenblick einen kleinen Obolus zur Rettung ihres Anlagevehikels beisteuern. Das ist gelebte Solidarität im heißen Sand der arabischen Wüste. Und keine Angst, wenn es dunkel wird. Das ist nur die Nacht. Morgen wird’s wieder hell. Ganz bestimmt.

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