Bankhaus Rott

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FDIC - Unendliche Weiten.

Fragen über FragenPosted by Vorstand Tue, September 29, 2009 23:29:11
In werter Gesellschaft mit so genannten Schwarzsehern und ebenfalls so genannten Pessimisten kann der interessierte Mensch nur sein müdes Haupt schütteln und laut ausrufen: Hey, es sind nur die Fakten. Oder, um es in den Worten des Landes zu sagen, das sich rühmen darf, Ursprungsherd der aktuellen Krise zu sein: "Don't shoot the messenger!".

Schließlich haben es dortige Protagonisten vollbracht, den alleinseligmachenden, schuldenfinanzierten Konsum soweit in den Status einer Religion zu erheben, dass es sicher schon Pläne für eine "Vierfaltigkeits-Shopping Mall" (inkl. drive in) gab. Mögen auch in den Herstellernationen die Produzenten schon mit den Hufen scharren, um die Produktion wieder anzufahren und so das "zarte Pflänzchen Aufschwung" (immerhin schon wieder satte minus 5% BIP Wachstum) zu einer wahren Wachstumswelle aufzublasen und über die wartenden Massen zu senden. Trotz allem hakt es im Getriebe. Oder ist es gar der Tank, der leer ist? Letzeres ist zumindest die naheliegende Vermutung, wenn man sich das aktuelle Memorandum der (auch nur noch so genannten) Einlagensicherungsbehörde FDIC durchliest. Der Treibstoff des Konsums waren Kredite. Diese wurden von Banken vergeben, die nun derartige Verluste einfahren, dass sie keinen Sprit mehr anbieten können. Nachdem wir uns bei den amerikanischen Bankenpleiten allein im Jahre 2009 im gestreckten Galopp auf die 100er Marke zubewegen, hat der Einlagensicherungsfonds, der DIF (deposit insurance fund), nun alle Viere von sich gestreckt. Laut FDIC Memo ist der Fonds leer. Weil es so furchtbar pessimistisch klingt, aber doch nur ein Fakt ist, wiederholen wir es noch einmal in einer eigens dafür leergeräumten Zeile.


Nach offiziellen Angaben der FDIC ist der Einlagensicherungsfonds der Vereinigten Staaten von Amerika leer. Und er wird es bleiben. (Quelle: Memo FDIC http://www.fdic.gov/news/board/Sept29no1.pdf).

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Pursuant to these requirements, staff estimates that both the Fund balance and the reserve ratio as of September 30, 2009, will be negative.
(...)
Staff has also projected the Fund balance and reserve ratio for each quarter over the next several years using the most recently available information on expected failures and loss rates and statistical analyses of trends in CAMELS downgrades, failure rates and loss rates. Staff projects that, over the period 2009 through 2013, the Fund could incur approximately $100 billion in failure costs. Staff projects that most of these costs will occur in 2009 and 2010.
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Genauer gesagt ist das Vehikel nicht nur leer sondern erstreckt sich gleich in den negativen Bereich, und auch die weiteren Aussichten hören sich nicht attraktiv an. Angesichts der vollkommenen Fehleinschätzungen, die sich die FDIC in den vergangenen Jahren geleistet hat, darf man auch als Optimist gerne von deutlich schlechteren Werten ausgehen. Wächst in Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, da nicht auch ein zartes Pflänzchen Sicherheit? Dann wollen wir uns alle jetzt für eine Minute nicht bewegen, damit wir es nicht achtlos zertrampeln.

Aber wie heißt es so schön? Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Und so wollen wir uns ganz optimistisch an dieser Veröffentlichung erfreuen und im Vorbeigehen ein paar weitere Zahlen als Dessert genießen.

Kurz ein paar Worte zum Einlagensicherungsfonds DIF. Dieser speist sich aus Beiträgen der über 8000 Banken, die am Einlagensicherungssystem in den Staaten teilnehmen. Um eine gewisse Sicherheit zu gewährleisten, hat man - ähnlich einer normalen Versicherung - errechnet, wie hoch die Beiträge sein müssen, um bei gelegentlichen Bankenpleiten die Einlagen der Kontobesitzer absichern zu können. Die in den Statuten der FDIC vorgeschriebene (!) Höhe der Reserven des Fonds liegt bei einem Niveau von 1,15% aller abgesicherten Einlagen. Diese haben derzeit eine Höhe von ca. 9,02 Billionen Dollar, folglich müsste der Fonds derzeit Sicherheiten von etwas über 100 Mrd. Dollar vorhalten. Selbst diese Summe wäre natürlich in einer Krise von diesem Ausmaß nicht annhähernd ausreichend, aber wie man so schön sagt, ein bisschen ist besser als nichts.

Immerhin zeigt uns dieser Wert das aktuelle Defizit des Fonds, für dessen Deckung sich nun sicher der Staat bereithält. Präsident Obama ist ja diesbezüglich für seine modischen und in die Zeit passenden Spendierhosen bekannt. Ganz locker macht er das, so richtig pragmatisch, einfach toll, wie damals John Wayne. "Was, pleite? Da muss man doch was tun!" Immer wieder beeindruckend wie flexibel die Jungs auf der anderen Seite des Atlantiks mit Problemen umgehen. Zack, ein paar Moneten gedruckt und schon hat sich das. Nicht immer diese endlose Diskutiererei von wegen struktureller Lösung oder ähnlichem Firlefanz. Es handelt sich doch schließlich um denselben Staat, der sich in einer derart desolaten finanziellen Situation befindet, dass er sich einen Großteil der Neuverschuldung direkt von seiner Zentralbank finanzieren (sprich: drucken) lässt, da sich die Nachfrage anderer Kreditgeber verständlicherweise in engen Grenzen hält.

Die Vorschläge der FDIC, die im Memorandum im Detail nachzulesen sind, beinhalten unter anderem den Folgenden, der uns auf Grund seiner Kreativität am meisten beeindruckt hat:
Vorgeschlagen wird eine Vorauszahlung der von den Banken zu leistenden Beiträge zur Einlagensicherung für die Jahre 2010, 2011 und 2012. Diese würde zusammen mit der Zahlung für das vierte Quartal 2009 fällig werden. Auf Grund der Art der Verbuchung (mit schlauer Verbuchung kennt man sich ja aus) würde diese Zahlung bei den Banken allerdings nicht ergebniswirksam sein (puh!) und so natürlich auch die Reserve Ratio des Fonds nicht erhöhen (ooh!). Es handelt sich also schlicht um einen Liquiditätsvorschuss, mit dem die akuten Auszahlungen des Fonds finanziert werden sollen.

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Unlike a special assessment, prepaid assessments would not immediately affect the DIF balance or depository institutions’ earnings. Staff is proposing prepaid assessments as a means of collecting enough cash to meet upcoming liquidity needs to fund future resolutions.
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Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie das nicht im Detail verstehen, sondern sehen sie dies als ein untrügliches Zeichen geistiger Gesundheit. Eine normale Zahlung und Bilanzierung bei den Banken bietet sich derzeit wohl auch nicht an, hat die Branche doch gerade das zweite branchenweit negative Quartal der vergangenen 18 Jahre nach dem vierten Quartal 2008 aufs Parkett gelegt. Und das trotz fantasievoller oder gar nicht vorhandener Verbuchung von Kreditverlusten sowie einem Verhältnis von Reservenbildung zu Abschreibungen von 0,6. Ein weiterer Negativrekord.

Nachhaltig ist dieser Ansatz logischerweise nicht, denn die Beiträge für die genannten Jahre wären bereits verfrühstückt, die Ausfälle werden sich davon aber kaum abhalten lassen. Interessant ist es, hier wieder den gleichen Ansatz zu sehen, der die gesamte Kreditwirtschaft dahin gebracht hat, wo sie heute ist. Geld heute ausgeben und die Ausgaben morgen bilanzieren. Falls das Geld dann nicht reicht, macht man dasselbe nochmal, lediglich eine Nummer größer.

In Lichte dieser Entwicklungen darf man sich schon einmal fragen, ob die Bereitstellung von Krediten an die Vereinigten Staaten (sprich der Kauf von US Staatspapieren) auf einen Betrachter in der Zukunft einmal soviel schlauer wirken wird, als es die seinerzeit viel belächelte Überweisung der KfW an die schon insolvente Investmentbank Lehman Brothers. Wir würden darauf nicht wetten.

Ach so, Sie kaufen gar keine US Staatsanleihen? Macht nichts, denn das erledigt bereits der Bund für Sie. Aus Gewohnheit.


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Der FDIC haben wir uns auch im April gewidmet:

Grand Reserva 2009

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