Bankhaus Rott

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Zeit ist Geld. Manchmal.

Bankhaus Rott externPosted by Vorstand Sat, December 12, 2009 13:11:36

Diesen Artikel haben wir im Rahmen unserer Kooperation mit www.cashkurs.com veröffentlicht.

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In einem kürzlich erschienenen Artikel erwähnten wir die Performance, die mit einem langfristigen Investment in Aktien für einen europäischen Anleger zu erzielen gewesen wären. Wir bezogen uns dabei auf die Entwicklung des CDAX Index. Nun hat uns eine in Deutschland erscheinende Tageszeitung mit Finanzeinschlag einen Gefallen getan und ihrerseits einige Berechnungen auf Basis von Aktienfondsdaten nachgereicht. Das Ergebnis ist sogar noch deutlich schlechter als die von uns auf Indexbasis ermittelten Werte. Das liegt zum Teil daran, dass wir als höfliche Menschen Nebenkosten sehr tief ansetzten, was aber das bittere Fazit nicht gänzlich erklären kann.

Die Performance ist schlichtweg unterirdisch. Interessanterweise kommen die Zeitung und die Manager oder Gesamtverantwortlichen der Vehikel zu dem Schluss, dass die langfristige Daueranlage in diese Produkte trotz allem eine gute Sache sei. Das ist überraschend, gingen wir doch bisher davon aus, dass der Grund für ein Investment die erwartete Rendite und das Verhältnis zum dabei eingegangenen Risiko sein sollte. Wir scheinen aber Zeuge der Schaffung einer völlig neuen Weltsicht zu werden, die allein den Besitz eines Aktienfonds schon als Wert an sich betrachtet. Schauen wir uns das Ganze deshalb einmal in Ruhe an.

Die Daten die in der FTD genannt wurden, und die in der unten stehenden Tabelle aus dieser Zeitung zu sehen, sind beziehen sich auf einen Anlagezeitraum, der sich über die vergangenen fünfzehn Jahre erstreckt. Wir wissen nicht, wie es um ihre Geduld steht, aber um die dargestellten Ergebnisse in ihrer Gesamtheit mit dem Attribut attraktiv zu versehen, ist schon eine Art fundamentalistischen Gleichmuts von Nöten.

In die Tabelle scheint sich ein kleiner aber nicht so wichtiger Fehler eingeschlichen zu haben. So muss es wohl in der Überschrift der fünften Spalte „Sep 08“ und nicht „Sep 09“ heißen. Das ist sicher nur ein kleiner Tippfehler, die wichtigen Probleme können Sie in der letzten Zeile, in der die aggregierten Erträge oder Verluste eingetragen sind, und bei den Einzelergebnissen sehen.

So, die Attraktivität der langfristigen Fondsinvestments ist Ihnen sicher auch gleich ins Auge gesprungen. Und wenn man etwas ins Auge bekommt, kann das schon ziemlich fies schmerzen.

Wir möchten nun kurz niederschreiben, was wir aus dieser Tabelle entnehmen. Die ausgewählten Fonds schafften in den vergangenen eineinhalb Dekaden im Mittel eine jährliche Performance von 3,2%, wenn man als Ausstiegs- oder Bewertungsstichtag den letzten Tag des Monats September 2009 wählt. Im März des Jahres 2009 lag die Zahl bei minus 0,6%, sieben Monate vorher waren es +4,3% und für den Ausstieg am Ende des Jahres 2007 werden doch respektable 10% p.a. angegeben, das war zum Zeitpunkt des Tops im DAX, als der Index den Marken der Jahrtausendwende einen Freundschaftsbesuch abstattete. Über die Schwankungsbreite des Aktienmarktes müssen wir den Lesern sicher nichts erzählen, sie war schlicht enorm.

Abgesehen von den absoluten Werten, die im Grunde für sich sprechen, beeindruckt uns vor allem die Tatsache, dass die Fonds es geschafft haben, eine Performance von jährlich 10% innerhalb von eineinhalb Jahren komplett in ein Minus zu drehen, eine stramme Leistung.

Weitere Zahlen, die im Artikel genannt werden, stammen unter anderem vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), der nicht dafür bekannt ist, Marketingstrategien der Branche zu torpedieren. Die Zahlen lassen für Fröhlichkeit allerdings wenig Raum. So errechnete der Verband folgendes: Bei einer monatlichen Sparrate von €100 hätte ein im Jahr 1999 begonnener Fondsparplan auf Basis deutscher Aktien aus der eingezahlten großen Summe von €12.000 den kleinen Betrag von €8670 gemacht. Pro Jahr macht das 6,6%, pardon, minus 6,6%. Bei Europafonds läge der Wert noch tiefer, lässt der BVI verlauten.

Daraus kann man verschiedene Schlüsse ziehen. Einer könnte lauten, Aktien seien generell keine gute Assetklasse. Das ist nicht unsere Auffassung, alles hat seine Zeit. Alternativ könnte man hinterfragen, welchen Mehrwert das so genannte aktive Management gebracht hat, oder ob es überhaupt ein aktives Management gibt. Mit aktiv meinen wir ausdrücklich nicht, dass ein Fonds drei Telekomaktien weniger oder mehr hat, als ein Index dies vorgibt.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass viele Produktverantwortliche aber genau das unter aktiv verstehen und im Grunde mit dem Index steigen oder fallen. Einen Mehrwert können wir hier beim besten Willen nicht erkennen, eine Leistung, für die es angemessen wäre, Gebühren zu verlangen, noch viel weniger. Um so mehr haben uns einige Aussagen der Verantwortlichen in der genannten Zeitung fasziniert.

Der Titel der Tabelle nennt zu Beginn ganz clever die Devise: „Der richtige Ausstiegszeitpunkt ist entscheidend“. Jo, das ist schlau. Vor allem die Freunde der fondsgebundenen Riesterrente oder anderer hundertjähriger Fesselverträge sitzen bekanntlich tagein tagaus vor dem Kursteil der FAZ um den richtigen Zeitpunkt für die Auflösung herauszupicken. Eigentlich dachten wir, dass es gerade die Aufgabe eines Fondsmanager ist, sich um Ein- und Ausstiegspunkte zu kümmern. Aber vielleicht haben wir da auch ein falsches Verständnis. Allerdings hat uns unser Friseur bisher noch nie die Schere in die Hand gedrückt und sich mit dem Satz „der richtige Schnitt ist entscheidend“ und einem Kaffee in der Hand ins Hinterzimmer geschlichen, um schon einmal die Rechnung zu schreiben. Sehen Sie, niemand ist gegen Fehler und Misserfolge gefeit, aber die Verantwortung für solche dann noch auf die Kunden zu schieben, das ist nur mit dem Begriff unwürdig zu beschreiben.

Einer der Befragten bemüßigte sich zu der Aussage, „auf dem Tiefpunkt sollte man die Aktienanlage nicht abschreiben“. Ach so, da war ein Tiefpunkt, schade, kam gar nicht in der Tagesschau. Vielleicht sollte man sich in der Branche nicht nur auf Tief- sondern auch auf Hochpunkte konzentrieren. Da ja der Ausstieg entscheidend ist, wie wir gelernt haben, könnte das die schlauere Variante sein. Oder haben die Gesellschaften den Kunden seinerzeit auch geraten „auf dem Hochpunkt sollte man es mit der Aktienanlage nicht übertreiben“? Vielleicht war das mit dem „Abschreiben“ aber auch ein Ratschlag aus der Bilanzwelt und bezieht sich auf Ihre persönlichen Finanzen? Schreiben Sie die Aktienanlage nicht ab, bei faulen Krediten macht das ja auch niemand.

Es geht noch weiter. Der Vertreter der Gesellschaft des schlechtesten Fonds im kleinen Vergleich der FTD wagt sich auf das dünne Eis des Vergleiches mit einer sicheren Geldanlage, für die die Tagesanleihe des Bundes herhalten darf, eine gut ein Jahr alte Schöpfung der Finanzagentur der BRD.

Falls Sie dieses Produkt nicht kennen, es handelt sich hier um eine Art Tagesgeldanlage mit Zinsen, die sich am EONIA (European Overnight Index Average) Zinssatz orientieren, das ist ein Referenzzinssatz für sehr kurzfristige Geldausleihungen unter Geschäftsbanken in der Eurozone. Die Berechungsregel ist einfach. Je nach aktuellem EONIA Satz liegt die Verzinsung zwischen 0% und dem EONIA Zinssatz abzüglich eines Abschlags.

Da die Zentralbanken sich ja aktuell an der Rettung des Finanzsystems versuchen, sind die Zinsen für sehr kurze Laufzeiten derzeit extrem niedrig. Dementsprechend ist auch die Verzinsung der Tagesanleihe sehr gering und liegt um die 0,20%, also bei fast nichts. Das Ausfallrisiko entspricht dem Ausfallrisiko des Staates. Diese Anlage bringt auf lange Sicht ähnliche Renditen, wie sie viele so genannte Geldmarktfonds erzielen wollten, bis sich deren Manager zur Anlage in ABS Papiere hinreißen ließen und sich die Kurse der Vehikel teils mehr als halbierten. Ein mehr als peinlicher Skandal, um den es angesichts der Dimension erstaunlich ruhig geworden ist. Es handelt sich bei diesen Fonds bekanntermaßen um Produkte, die von Fondsgesellschaften gegen Gebühren verwaltet werden.

Der oben zitierte Vertreter einer solchen Gesellschaft versucht nun also die aktuell niedrigen Zinsen der Tagesanleihe zu einem Marketinginstrument für langfristige Investments in Aktienfonds umzubiegen. Dabei lässt er sich mit einer durchaus bemerkenswerten Aussage zitieren: “Bei einer Verzinsung der Tagesanleihe des Bundes von 0,2% kann man sich schnell ausrechnen, wie viel nach 20 Jahren übrig bleibt.“ Ja, richtig, das ist leicht. Noch einfacher allerdings lässt sich ausrechnen, um wie viel schlechter der aktiv verwaltete Aktienfonds seiner Gesellschaft nach 15 Jahren bei einem Ausstieg im vergangenen März gewesen wäre. Bei 0,2% p.a. wäre das in der Tat bescheidene Ergebnis der Tagesanleihe in jedem Jahr um deutliche 0,8 Prozentpunkte besser gewesen als das desjenigen Fonds, dessen Gesellschaft der Mann zu verantworten hat. Ein bisschen Demut wäre hier durchaus angebracht, denn die Tagesanleihe tickert nicht nur jeden Tag nach oben, sie schwankt auch nicht. Zudem ist 0,2% p.a. zwar bitter, aber deutlich besser als ein Geldmarktfonds, für den man Gebühren bezahlt und der sich dann aus lauter Dankbarkeit halbiert.

Besonders ärgerlich und in hohem Maße unseriös ist aber die Suggestion, dass die Verzinsung der Tagesanleihe immer und ewig bei 0,2% stand und stehen wird. Das ist natürlich, und das sollte und wird der Mensch wissen, Blödsinn. Im Mittel lag der entsprechende Zinssatz in den vergangenen zehn Jahren leicht über 3%. Schade, dass derartige Aussagen trotzdem den Weg zur Druckerpresse finden.

Hier wollen wir nun die Gelegenheit nutzen, und kurz aufzeigen, wie sich denn der Aktienfonds des zitierten Verantwortlichen in den letzten 10 Jahren im Vergleich zum DAX Index und zur von ihm arg gescholtenen Tagesanleihe geschlagen hat.

Wir denken, der Begriff Debakel beschreibt die Performance des Fonds ebenso höflich wie treffend. Allein gegenüber dem deutschen Aktienindex ist der Verlust deutlich größer. Zudem ist dem Fonds die Tagesanleihe soweit davongelaufen, dass eine Verdoppelung des Fonds nicht einmal ausreichen würde, um diese einzuholen. Genauer gesagt müsste der Fonds um rund 150% zulegen. Da wünschen wir ein glücklicheres Händchen als in der letzten Dekade. Die Statistiken zu den Mittelab- und zuflüssen in deutsche Investmentfonds (zu finden unter www.bvi.de) zeigen übrigens eindeutig, dass die Anleger die Leistung ähnlich beurteilen und einigen Gesellschaften das Vertrauen stärker entziehen als anderen.

Verstehen Sie uns nicht falsch, dies soll kein Ratschlag sein, nie wieder in Aktien zu investieren, oder sich gar lebenslang an Tagesgeld zu binden. Jede Anlageklasse hat ihre Zeit. Vielmehr geht es uns in diesem Artikel darum, zu zeigen, dass ein bloßes Festhalten an Produkten nicht zwangsläufig zum Erfolg führt, was gerade in Zeiten der langjährigen Knebelverträge für die Rente von Bedeutung ist. Die Argumente derjenigen, die diese Produkte verkaufen, sind oft, die Beispiele zeigen dies, nicht stimmig.

Es gibt zudem keinen Grund, Gebühren für nachweislich nicht erbrachte oder indiskutable Leistungen zu bezahlen. Wer Asset Management nicht aktiv betreibt oder sich gar erdreistet die Fehler in der Vermögensverwaltung im Nachhinein seinen Kunden aufzubürden, der darf sich über anhaltende Mittelabflüsse und steigendes Desinteresse der Kunden nicht wundern. Halten Sie die Augen offen, und werden Sie selbst aktiv. Es ist Ihr Geld.

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